Eine ganz besondere Praxis für Krebspatienten mit dem Schwerpunkt: Gynäko-onkologische Tumortherapie.

Frau Dr. Ziegler-Löhr, bitte stellen Sie Ihre Praxis, insbesondere die Besonderheiten kurz vor.
Ich betreibe eine Frauenarztpraxis mit dem Schwerpunkt gynäko-onkologische Tumortherapie. Das besondere ist, dass die Patientinnen in einer entspannten Atmosphäre, außerhalb eines hektischen Klinikalltags eine Chemotherapie bekommen können. Bei uns wird das Hauptmerkmal auf das Wohl der Pat. vor allem auch das psychische, gelegt. Da die Diagnose und die Therapie selbst eine große Verunsicherung und Angst bedeuten, ist es uns wichtig, gerade dies aufzufangen. Die beste medizinische Versorgung ist für uns selbstverständlich. Aber bei uns kann man Entspannung und Therapie in Einem genießen. Überzogen gesagt soll der Gang zur Chemotherapie „Freude“ bereiten.

Patienten, die die Diagnose Krebs bekommen, klagen immer wieder darüber, dass Sie von einer Informationsflut erschlagen werden. Wie handhaben Sie die Aufklärung mit Ihren Patienten?
Ich nehme mir ausführlich für das Aufklärungsgespräch Zeit. Nicht ist wichtiger als die Fragen stellen zu können, die einen in dieser Zeit umtreiben. Ich rate auch jeder Pat. nicht alleine zum Aufklärungsgespräch zu kommen, da oft nur ein Teil des Gespräches aufgenommen werden kann. Darüber hinaus ermuntere ich jede Pat. alle Fragen, die ihr zu Hause kommen, aufzuschreiben, damit man sie im Einzelnen durchgehen kann. Ich biete auch immer noch ein Zweitgespräch an, nachdem die ersten Informationen „sacken“ konnten.

Welche Tipps geben Sie mit auf den Weg?
Ich rate jeder Pat. alle Unterlagen, vom Mammographiebefund bis zum Op-Bericht und der Histologie selbst auch aufzubewahren. Hiermit ist sie immer „Herrin“ über ihre Unterlagen und kann auch ohne Problem eine Zweitmeinung einholen oder später immer wieder bei Bedarf darauf zurückgreifen.
Ich rate ihnen auch, sich psychologische Unterstützung zu suchen, da die Diagnose immer mit einem Trauma verbunden ist. Und natürlich nochmal: Sie sollen Fragen, fragen, fragen!

Was sind die größten Ängste er Patienten? Haarausfall aufgrund Chemotherapie äußert sich als enorme psychische Belastung?!
Das ist absolut richtig: Der Haarausfall bedeutet für die Frauen vor allem auch ein Verlust ihrer Weiblichkeit und das Offenkundig werden der Erkrankung. Eine kahler Kopf wird mit Tod und Krankheit in Verbindung gebracht. Man kann nicht mehr verbergen, dass man krank ist. Haare bedeuten eben auch Vitalität und Kraft. Dies ist eine enorme psychische Belastung! Die Frauen haben Angst vor Abwendung.

Ich höre die Frage oft, WARUM die Haare während der Chemotherapie ausfallen. Können Sie das vielleicht kurz deutlich machen?
Die Chemotherapie greift die Zelle an unterschiedlichen Stellen im Zellzyklus, der Zellteilung an. Hierbei ist jedes sich schnell teilendes Gewebe betroffen. Dies gilt natürlich nun für Alles, was nachwächst. Hierzu gehören eben vor allem die Haare, die Haut aber auch die Schleimhaut.

Ist es absehbar, dass Chemotherapie irgendwann keinen Haarausfall mehr verursachen?
Nein. Solange Chemotherapie den Zellzyklus angreift werden wir leider mit Haarverlust rechnen müssen. Es sei denn sie wird immer zielgerichteter werden, dann wird aber auch nicht die Zellteilung im Einzelnen angegriffen, sondern spezielle Rezeptoren geblockt. Hier gibt es zwar heute schon einige Beispiele, aber sie sind nur bei ganz speziellen Tumoren anwendbar.

Was denken Sie im Allgemeinen über das Thema Haarversorgung? Warum hat die „Perücke“ einen so schlechten Ruf?
Ich denke, dass Haarversorgung essentiell zur Gesamtbetreuung einer Patientin mit Chemotherapie (oder auch Strahlentherapie) dazu gehört. Nicht alle Patientinnen wollen auf eine Zweithaarversorgung zurückgreifen, die meisten sind aber froh, eine solche Möglichkeit zur Teilhabe am „normalen“ Leben zu haben.
Der schlechte Ruf kommt eher aus Zeiten, da Perücken nur aufgezogen wurden und keinen Wert auf Einschnitt und typgerechte Beratung gelegtwurde. Eben aus Zeiten, wo man auf hundert Meter Entfernung sah, dass die Frau oder der Mann eine Perücke trägt. Diese Zeiten sind heutzutage Gott sei Dank vorbei.
Wie kann man gegensteuern – auch als Onkologe bzw. Praxisteam?
Man sollte unbedingt Wert auf eine gute Zweithaarversorgung legen und die Pat. ermuntern auch die Anbieter zu vergleichen. Wichtig ist das Angebot, dass die Frisur individuell zurechtgeschnitten wird und nicht nur ein „Helm“ aufgesetzt wird.

Frau Dr. Ziegler-Löhr – vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Nadine Dammann als Repräsentantin des SPFfK-Solidarpakt der Friseure für Krebspatienten und Redakteurin des Kundenratgebers „Neues Haar“!

Kontaktdaten
Dr. med. Katja Ziegler-Löhr
Fachärztin für Gynäkologie, Geburtshilfe und medikamentöse Tumortherapie
Deutzer Freiheit 103
50679 Köln
Tel. 0221/815381